Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse
Abschließend noch einmal eine Zusammenfassung zentraler Erkenntnisse dieses Kapitels:
- Zahlreiche Autorinnen und Autoren behaupten, dass eine jüngere Alterskohorte existiere, deren Mediennutzungsverhalten weitgehend einheitlich und unbeeinflusst von soziodemographischen Faktoren sei und die auf einem gleichsam hohen Medienkompetenzniveau agiere („Netzgeneration” beziehungsweise „digitale Eingeborene“).
- Diese Behauptung hat keine wissenschaftlich abgesicherte empirische Basis, sie ist aber dennoch stark rezipiert worden und vor allem als Argument für die Notwendigkeit des Lernens und Lehrens mit Technologien genutzt worden.
- Jüngere repräsentative empirische Studien zum Medienhandeln Jugendlicher zeigen ein weitaus differenzierteres Bild. Medienkompetente Nutzer/innen in allen Bereichen von Medienkompetenz (Medienkunde, Nutzung, Kritik und Gestaltung) bilden bestenfalls eine Subgruppe unter vielen anderen Gruppierungen. Diese Studien zeigen weiterhin Abhängigkeiten des Medienhandelns von unterschiedlichen soziodemographischen Faktoren wie Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Status auf.
- Die Herausforderung für das Bildungssystem besteht nicht darin, zwingend Lern- und Lehrformen mit Technologien einführen zu müssen, sondern bei ihrer Einführung die Diversität des Medienhandelns und der Kompetenzniveaus hinreichend zu berücksichtigen und entsprechende Lern- und Lehrarrangements zu gestalten, aber auch Fördersysteme bei Zugangs- oder grundsätzlichen Kompetenzproblemen zu konzipieren.
- Besonders die ICILS (2018) Studie zeigt den Aufholungsbedarf in deutschen Schulen bei der systematischen Förderung digitaler Kompetenzen. Digitale Technologien sind zwar allgegenwärtig im Leben vieler Schüler und Schülerinnen, dies führt aber nicht automatisch zu kritischer Medienkompetenz.
- Auch die JIM-Studie (2024) bestätigt diese Entwicklung. Besonders wichtig ist es die Unterschiede in der Medienkritik auszugleichen, gerade im Bezug auf Fake News, Hate Speech, Filterblasen und extremistischen Inhalten. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von KI-Anwendungen wie ChatGPT im schulischen Kontext. Daraus ergibt sich ein Handlungsdruck für Bildungseinrichtungen reflektierte, fundierte Medienbildung zu leisten.
!
Weiterführende Literatur und andere Lernressourcen:
- Webseite des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest mit regelmäßigen, aktuellen empirischen Studien zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen http://www.mpfs.de/
- Blogeintrag zum Thema von Prof. Dr. Gabi Reinmann vom 20.09.2009 mit einer lebendigen Diskussion durch zahlreiche Kommentare: http://gabi-reinmann.de/?p=1379
- Weblog „Netgenskeptic“ in englischer Sprache mit zahlreichen aktuellen (kritischen) Beiträgen zum Konzept der Netzgeneration: http://www.netgenskeptic.com/
?
Recherchieren Sie im Detail die Ergebnisse einer aktuellen empirischen Studie zum Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen. Halten Sie stichwortartig fest,
- wie das methodische Design und die empirische Basis beschrieben werden und
- welche Differenzierungen im Medienhandeln beziehungsweise mit Blick auf die Medienkompetenz herausgearbeitet werden.
Tragen Sie Ihre Ergebnisse in einer Arbeitsgruppe zusammen und diskutieren Sie gemeinsam, welche Konsequenzen die Ergebnisse für die Gestaltung von Lern- und Lehrarrangements haben könnten. Wählen Sie dabei einen konkreten Praxiskontext aus einem Bildungsbereich, der Sie besonders interessiert
?
Recherchieren Sie bei einer Publikation, die das Vorhandensein einer „Netzgeneration” propagiert, die angegebene empirische Basis sowie die Methode der Erkenntnisgewinnung. Wird ein Forschungsdesign erkennbar? Welche Fallzahlen werden genannt? Wird ein einheitliches und systematisches Vorgehen transparent ausgewiesen?
No Comments