Hörverstehen
Im Netz sind viele fremdsprachliche Audiomaterialien verfügbar, etwa Radio-Streams, Podcasts, kostenlose und kostenpflichtige Hörbücher oder auch Videos (beispielsweise bei YouTube). Podcasting ist ein modernes Multimedia-Phänomen, das vielseitige Möglichkeiten unter anderem für den Unterrichtseinsatz eröffnet (siehe Kapitel #educast). Bei vielen Podcasts handelt es sich oft um die Zweitverwertung von Nachrichtensendungen, Reportagen oder Interviews. Ein umfangreiches Angebot bieten beispielsweise Radio Nacional de España, BBC, NYT, Radio France oder die ARD-Mediathek, um einige Optionen für verschiedene Fremdsprachen zu nennen. Jedoch gibt es unzählige weitere Sender weltweit für die unterschiedlichsten Fremdsprachen, deren Nennung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.
Unter den Informationspodcasts finden sich Nachrichten in langsamem Sprechtempo mit transkribierten Hörtexten wie das „Journal en français facile“, die „BBC World News For Children“ und die langsam gesprochenen Nachrichten der Deutschen Welle. Private Podcasts werden von Sprachschulen und Fremdsprachenlehrenden angeboten, die in didaktisierter Form transkribierte Hörtexte und Übungsmaterialien zur Verfügung stellen. Dazu gehören der Schweizer Podclub, das französische Blog GABFLE, Breaking News English von Sean Banville und der deutsche Podcast Slow German. Ebenso gibt es Podcasts, welche speziell für den Zweck des Fremdsprachenerwerbs erstellt wurden, wie beispielsweise von dem Anbieter der Fremdsprachenlernapp Duolingo auf Französisch und Spanisch (Duolingo Podcast, o. D.). Jedoch können auch beliebige geeignete Podcasts ohne bereits vorhandene Transkriptionen im Unterricht verwendet werden. Mithilfe von KI können einfach automatisierte Transkriptionen beliebiger Hörtexte erstellt werden, wodurch die Lehrperson lediglich die didaktische Aufbereitung des Podcast in Form von Übungsmaterialien durchführen muss. (Webressourcen zu diesen und weiteren Beispielen finden Sie bei Diigo (https://groups.diigo.com/group/l3t_20) unter den Schlagworten #l3t und #sprache bzw. #l3t_sprache.)
Hörtexte auswählen und bearbeiten
Die Schwierigkeit bei der Suche nach geeigneten Podcasts liegt darin, aus dem reichhaltigen Angebot passende Beispiele auszuwählen, die dem Kompetenzniveau der Lernenden entsprechen, wobei Hörtexte im Vergleich zu Lesetexten nicht überflogen und quergelesen werden können, sondern bei der Unterrichtsvorbereitung der gesamte Podcast angehört werden muss, bevor man entscheiden kann, ob der Text geeignet ist. Oft finden sich schriftliche Kurzzusammenfassungen der Inhalte oder sogar komplette Transkriptionen der Sprechertexte, die die Textvorauswahl unterstützen. Ebenso kann KI genutzt werden, um ebendiese Kurzzusammenfassungen bzw. Transkripte für einen Podcast generieren zu lassen. Das Hördokument soll den curricularen Vorgaben entsprechen, an die Erfahrungswelt der Lernenden anknüpfen und aktuelle und authentische Kontexte bieten (Heckmann, 2009a). Sollte das Sprechtempo zu schnell sein, kann das Tempo der Hörtexte mit der freien Software zur Audiobearbeitung Audacity oder anderen Audioeditoren verändert werden (vgl. Kapitel #educast). Zudem können die Hörtexte geschnitten und die einzelnen Teile beliebig zu einem neuen Text zusammengefügt werden. Die Audiobearbeitung kann sowohl Aufgabe der Lehrperson während der Unterrichtsvorbereitung sein als auch eine Möglichkeit, die Lernenden zu aktivieren und ihnen die Gelegenheit zu geben, Hörtexte zu suchen, zu bearbeiten und der Lerngruppe beispielsweise auf einer Lernplattform zur Verfügung zu stellen.
Individuelles Hörverstehen und Partizipation
Im Gegensatz zum traditionellen Hörverstehen frontal im Klassenverband haben die Lernenden über mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet von jedem beliebigen Ort aus Zugriff auf Audiodateien/Videos online oder via einer Lernplattform und bestimmen das Hörtempo individuell, indem sie die Aufnahme pausieren sowie vor- und zurückspulen. Nachdem das Hörverstehen über geschlossene oder offene Aufgaben gesichert wurde, sollte eine produktiv-kreative Phase anschließen, die über den eigentlichen Hörtext hinausgeht. Beim Einsatz von Podcasts bietet es sich an, die Lernenden zu schriftlichen Texten in Form von Meinungsäußerungen oder persönlichen Berichten als Reaktion auf das Thema des jeweiligen Podcast anzuregen. Eine weitere Form der Partizipation besteht in der Produktion eigener Hörtexte, die anschließend, zum Beispiel für Klassenkolleg*innen oder bei Audio-Lingua.eu, Sprachenlernenden aus der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden können. Die Möglichkeit der sozialen Interaktion zwischen den Lernenden schafft authentische Schreib- und Sprechanlässe (Heckmann, 2009b, vgl. Kapitel #educast). Je nach Präferenz und Vorgaben kann für die eigene Erstellung solcher Hörtexte die Aufnahmefunktion eines Smartphones, Audiobearbeitungssoftware wie Audacity oder ein Online-Sprachaufzeichnungsdienst wie Vocaroo verwendet werden (Vocaroo, o. D.).
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