Blogging und Microblogging

Anwendungsmöglichkeiten im Bildungskontext

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Einsatzmöglichkeiten von Blogs und Microblogs in formalen, informellen und gemischten Bildungskontexten. Es werden Schlüsselbegriffe definiert und grundlegende Informationen zu Microblogging und Weblogs gegeben. Außerdem wird die Rolle von Microlearning und Microcontent für Blogging und Microblogging beschrieben. Anschließend werden didaktische Szenarien für den Einsatz von Blogs und Microblogs in Lehr und Lernkontexten vorgestellt. Anhand ausgewählter Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Bildungskontexten werden einige Einsatzmöglichkeiten von Blogs verdeutlicht und exemplarisch dargestellt. Abschließend werden Ergebnisse aus ausgewählten Studien vorgestellt.

Autoren: Ilona Buchem, Martin Ebner, Sandra Schön, Ralf Appelt, Sascha Kaiser
Überarbeitet von: Leonhard Klug

Einführung

Blogs und Microblogs gehören nach wie vor neben Wikis und Podcasts zu den meist genutzten Social-Media- bzw. Web-2.0-Diensten. Zum Einstieg beschreiben wir kurz, was Blogs und Microblogs sind und wie sie didaktisch eingesetzt werden können. Im Kapitel werden wir dann nach und nach erklären, wie diese Webanwendungen funktionieren und wie Lehr-/Lernszenarien mit Micro-/Blogs aussehen können.

Blogs und Microblogs sind Kommunikations-, Wissensmanagement- und Publikationsdienste zugleich. Der Begriff Blog ist die Kurzform von Weblog, einem Kunstwort aus ,‚Web‘‘ und ,‚log", dem Logbuch, also dem seemännischen Tagebuch (Brahm, 2007). Microblogs sind kleinere Blogformate mit Einträgen von circa 140 bis 250 Zeichen. Gemeinsam ist Blogs und Microblogs, dass sie Einträge enthalten, die in chronologisch absteigender Reihenfolge gelistet werden (aktuelle Meldungen stehen oben). Mit Micro-/Blogs können Beiträge im Netz von jeder Nutzerin und jedem Nutzer veröffentlicht, gelesen, kommentiert, verlinkt und weitergeleitet werden. Dadurch entsteht eine offene Kommunikation, an der sich gleichzeitig viele Nutzer/innen (u.a. Lernende, Lehrende, Novizinnen und Novizen, Expertinnen und Experten) beteiligen können. Durch den offenen Austausch und die Beteiligung der verschiedenen Nutzer/innen können formelle und informelle Lernkontexte überbrückt und miteinander verzahnt werden.

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Blogs und Microblogs können in formellen und informellen Lehr-/Lernkontexten individuelle und kooperative Kommunikations-, Wissensmanagement-, Reflexions- und Feedbackprozesse unterstützen sowie formelle und informelle Kontexte verzahnen.

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Weiterführende Links: L3T-Gruppe bei Diigo unter Verwendung der Hashtags #l3t #blogging #microblogging. Ein Video “Microblogging: Leben in 140 Zeichen” vom Elektrischen Reporter: https://www.youtube.com/watch?v=2wz_umllvhA&list=PLDF6C328491D8C19B

Begriffe und Definitionen

Im praktischen Umgang mit Micro-/Blogs wird eine Reihe von spezifischen sprachlichen Ausdrücken und im Fall von Microblogging auch eine spezifische Syntax verwendet. Die gängigen Begrifflichkeiten werden im Folgenden dargestellt.

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Bei der Arbeit mit Micro-/Blogs ist ein Verständnis von Jargon und Funktionen hilfreich (u.a. Blogpost, Tagcloud, Permalink).

Jargon und Funktionen von Blogs

Das Schreiben im Blog (Bloggen) wird von Autorinnen oder Autoren (Bloggerinnen oder Bloggern) der Blogeinträge (Blogposts) vorgenommen. Dabei hat jeder Blogpost eine eigene, permanente Internetadresse (Permalink). Blogposts werden auch durch Schlagworte (Tags) kategorisiert. Inhaltsverwandte Blogposts werden mit gleichen Tags versehen und können damit leicht gefunden werden. Alle in einem Blog verwendeten Tags können als eine sogenannte ‚Wortwolke‘ (Tagcloud) dargestellt werden (siehe Abbildung 1).

Walker (2003) definiert einen Blog als eine regelmäßig auf den neuesten Stand gebrachte Website, deren Einträge in chronologisch umgekehrter Reihenfolge gereiht werden, so dass der aktuelle Eintrag der erste ist. Weblogs haben folgende Eigenschaften:

Abb. 1: Jargon und Funktionen von Blogs.
Abb. 1: Jargon und Funktionen von Blogs.

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Blogs können bei solchen Diensten wie Wordpress oder Blogger kostenlos angelegt werden. Wordpress bietet auch ein System zur Selbstinstallation an.

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In der Praxis: Praxisbeispiele Weblogs

Im Sinne des lebenslangen Lernens werden im Folgenden ausgewählte Praxisbeispiele für den Einsatz von Blogs und Microblogs in einzelnen Bildungsstufen (Kindergarten, Schule, Aus-/Weiterbildung, Hochschule) und in informellen Lernkontexten (außerhalb von formellen Bildungsinstitutionen) vorgestellt.

Jargon und Funktionen von Microblogs

Neben Plattformen wie Tumblr oder Yammer steht vor allem Twitter (nun bekannt als X) schon fast als Synonym für Microblogging. Dies ist auch der Grund, warum nachfolgend der spezifische Jargon und die Syntax von Twitter-Nachrichten näher beschrieben werden. Dabei werden viele der Begrifflichkeiten von den englischen Worten ,‚twitter‘ (zwitschern) und ,‚tweet‘‘ (Pieps) abgeleitet.

Wer eine Twitter-Nachricht (‚Tweet‘) senden (,twittern‘) möchte, kann nun seit 2017 bis zu 280 Zeichen pro Tweet verwenden. Mit einer Kombination aus Doppelkreuz-Zeichen (#, engl. ,‚hash‘) und einem Schlagwort (engl. ,‚tag‘), also einem Hashtag, erhalten Tweets eine Art Metainformation. Anhand von Hashtags, die in Tweets enthalten sind, können Tweets zu bestimmten Themen gesucht werden. Durch die Kombination eines @-Zeichens und eines Twitter-Benutzer/innen-Namens (@Benutzer/innen-Name) können andere Twitter-Nutzende (,Twitterer‘) öffentlich angesprochen werden. Zwei Twitterer, die sich gegenseitig als Kontakt hinzugefügt haben (‚Follower‘),, können sich auch private, direkte Nachrichten (‚directmessage‘,‘dm‘) senden. Dazu wird die folgende Zeichenkombination verwendet: ,‚d Benutzername‘. Öffentliche Tweets können in der ursprünglichen Form an eigene Follower weitergeleitet (RT entspricht ‚re-tweeted‘) werden (siehe Abbildung 2).

Abb. 2: Jargon und Funktionen des Microbloggingsystems Twitter.
Abb. 2: Jargon und Funktionen des Microbloggingsystems Twitter.

In der Praxis: Praxisbeispiele Microblogs

Im folgenden Abschnitt werden ausgewählte Praxisbeispiele für den Einsatz von Microblogs vorgestellt.

Lernen mit Micro-/Blogs

Microlearning

Das Lernen mit Micro-/Blogs ist durch kurze Beiträge und kurze Lernphasen gekennzeichnet. Micro-/Blogeinträge sind kleine, selbständige und thematisch abgrenzbare Informationseinheiten. Ähnlich kleinen ‚Wissenshäppchen‘ können sie als Microcontent, d.h. kleine, lose gekoppelte Informationsbausteine, bezeichnet werden (Weinberger, 2002; Lindner, 2006). Micro-/Blogeinträge können im Rahmen von kurzen Lernaktivitäten individuell bearbeitet, kommentiert und zusammengestellt werden. In diesem Zusammenhang ist von ,Microlearning‘ die Rede, das aus kurzen Lernphasen besteht, in denen Microcontent, d.h. kleine Inhaltsportionen, als Lernressource erstellt und bearbeitet wird (Robes, 2009; Buchem & Hamelmann, 2010).

Microlearning mit Micro-/Blogs kann flexibel in den Alltag integriert werden, zum Beispiel als ergänzendes Element für formelle Lehr-/Lernangebote, z.B. an Hoch-/Schulen, oder als eigenständiger Baustein zum lebenslangen Lernen, z.B. berufsbegleitend (Buchem & Hamelmann, 2010).

Nach Lindner (2006) und Kerres (2007) sind mit der Anwendung von Micro-/Blogs in Bildungskontexten einige Fragen verbunden, u.a.:

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Lernen und Lehren mit Micro-/Blogs kann als Microlearning gestaltet werden, in dem kurze Lernphasen mit kleinen Inhaltseinheiten (Microcontent) geplant werden.

In der Praxis: Gespräch mit Martin Lindner

Im L3T-Interview erklärt Martin Lindner den Begriff und den Praxiseinsatz von Microlearning: https://www.youtube.com/watch?v=Ii-H6IeQ5ag

Persönliche Lernnetzwerke

Das Lernen mit Micro-/Blogs kann auch als Lernen in persönlichen Lernnetzwerken bezeichnet werden. Das Lernen durch die Vernetzung mit anderen Menschen ist ein zentrales Merkmal von Lernen mit Social Media bzw. Web 2.0. Nach Downes (2007) besteht das Lernen mit Web 2.0 in dem Eintauchen (engl. ‚immersion‘) in sozialen Netzwerken. Aus der Perspektive sozio-konstruktivistischer Lerntheorien, z.B. dem Ansatz von Praxisgemeinschaften (engl. ,‘community of practice‘)‚von Lave und Wenger (1991), besteht das Lernen in sozialen Interaktionen mit Menschen, die gleiche Interessen teilen oder ähnliche Lernziele verfolgen.

Auch die konnektivistische Sichtweise auf das Lernen betont die Rolle sozialer Interaktionen in Netzwerken für das Lernen (Siemens, 2005).

Persönliche Lernnetzwerke (engl. ‚personal learning networks‘, PLN) können nach Couros (2010) als Summe aller sozialen Verbindungen definiert werden, die sich durch die Nutzung von Web-2.0-Diensten ergeben. Lernende nutzen und verbinden die verschiedenen Web-2.0-Dienste, u.a. Micro-/Blogs, individuell, nach eigenen Bedürfnissen und Präferenzen. Daraus ergeben sich sogenannte persönliche Lernumgebungen (engl. ,personal learning environments‘, ‚PLE‘). Eine wichtige Aufgabe der Lehrenden und der Lernenden ist demnach ein gezielter Aufbau von Lernnetzwerken durch die Nutzung von Web 2.0, u.a. Micro-/Blogs. So können Lehrende die Lernenden dabei unterstützen, Kontakte in bestimmten Netzwerken aufzubauen oder auf relevante Netzwerke hinweisen (z.B. bloggende Experten- oder Interessennetzwerke auf Plattformen wie X (ehemals Twitter), die unter Verwendung von Schlüsselwörtern, sog. Hashtags, zu finden sind).

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Lernen mit Blogs und Microblogs kann als Lernen in persönlichen Lernnetzwerken bezeichnet werden. Dabei ist es wichtig, dass Lernende gezielt Netzwerke aufbauen und zum Lernen nutzen, z.B. in Expertennetzwerken aktiv werden.

In der Praxis: Persönliche Lernnetzwerke aus Sicht der Lernenden

Ein Studierender beschreibt in einem Blogbeitrag eigene Erfahrungen zur Nutzung von Twitter im Studium und geht auf die Vorteile der sozialen Vernetzung ein: https://danyo-is-an-oj.blogspot.com/2008/01/twitter-im-studium-zwischenbilanz.html

E-Portfolio

Das Lernen mit Micro-/Blogs besteht in der Erstellung von persönlichen Beiträgen. Durch das Veröffentlichen von Beiträgen in Blogs und Microblogs entstehen Aufzeichnungen, die Aufschlüsse über die Entwicklung einer Person in einer gewissen Zeitspanne geben. Die im Laufe von Micro-/Blogging entstehenden Dokumentationen sind Lerntagebüchern ähnlich und beinhalten Informationen über Interessen, Aktivitäten, Leistungen oder Reflexionen einer Person (siehe Kapitel #offeneslernen).

E-Portfolio kann nach Hilzensauer und Hornung-Prähauser (2005) als “eine digitale Sammlung von ,mit Geschick gemachten Arbeiten‘ (lat.: Artefakte) einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchte.” (S. 4) verstanden werden.”

Die Erstellung von digitalen Dokumentationen durch den Einsatz von Micro-/Blogs kann auch gezielt mit Hilfe medien-/didaktischer Strategien angeregt und als Teil der Lernprozesse im Bildungskontext integriert werden. So können Lehrende Lernende dabei unterstützen geeignete Micro-/Blogging Dienste auszuwählen, Hilfestellungen zur Verfassung von Beiträgen anbieten, das Reflektieren von Lerninhalten und Lernprozessen begleiten, Feedback geben und durch Fragen, z.B. in Form von Tweets (Kurznachrichten im Twitter) oder Kommentaren in Blogs, zum Lernen anregen.

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Lernen mit Blogs und Microblogs kann nach dem Ansatz von E-Portfolio gestaltet werden. Die Lernenden nutzen Micro-/Blogs, um eine eigene digitale Dokumentation von Lernprozessen und Lernergebnissen zu erstellen.

In der Praxis: Einsatz von Blogs zur Erstellung von E-Portfolios in der Hochschullehre

Im kursbegleitenden Seminar-Blog stellt Ilona Buchem Beispiele von E-Portfolios der Studierenden vor, die mit Hilfe von Blogs (u.a. auf der Basis von Wordpress) im Hochschulstudium eingesetzt werden: https://aw448.wordpress.com

Didaktische Einsatzszenarien

Im folgenden Abschnitt werden einige didaktische Einsatzszenarien von Micro-/Blogs vorgestellt, die für unterschiedliche Lehr-/Lernkontexte adaptiert werden können.

Blogs

Blogs können in Bildungskontexten zur Inhaltssammlung verwendet werden. In einem Blog können Lernmaterialien, Aufgaben, Literaturlisten, Links und andere Lernressourcen gesammelt und mit anderen ausgetauscht werden. Solche Sammlungen können über einen längeren Zeitraum entstehen und als Lernmaterial zur Verfügung gestellt werden (Brahm, 2007, 67).

Blogs eignen sich auch zur Erstellung von E-Portfolios (siehe Kapitel #grundlagen), welche z.B. als Projekt- oder Lerntagebücher eingesetzt werden können. In Projekttagebüchern können im Rahmen projektbasierter Lehre oder Gruppenarbeiten einzelne Teams den Verlauf und die Ergebnisse der Projektarbeit gemeinsam dokumentieren, reflektieren und mit anderen teilen. Durch die Verlinkung von Blogs untereinander können gruppenbasierte Lernprozesse und der diskursive Austausch unterstützt werden (Brahm, 2007, 67). In Lerntagebüchern können Lernende eigene Gedanken und Reflexionen festhalten, Lernfortschritte thematisieren und anderen, z.B. Lehrenden, Mitlernenden oder der Öffentlichkeit, zugänglich machen. Der Reflexionsprozess kann dabei durch Leitfragen und spezifische Aufgabenstellungen unterstützt werden (Glogger et al., 2009).

Weitere didaktische Einsatzmöglichkeiten von Blogs umfassen:

Bei der Nutzung von Blogs sind stets rechtliche Regelungen zu beachten. Nach dem Telemediengesetz (TMG), welches für alle elektronischen Informations- und Kommunikationsdienste gilt, sind Blogger Dienstanbieter, die gesetzlich für die Bloginhalte verantwortlich sind und allgemeine Informationspflichten, u.a. Name und Kontaktmöglichkeit, erfüllen müssen. Empfehlenswert ist die Erstellung eines Impressums, welches auch mit einem Impressumsgenerator erstellt werden kann. Sobald mit einem Blog personenbezogene Daten erhoben (z.B. Analyse-Tools) und/oder Dienste der Fremdanbieter (z.B. Social-Media-Buttons) verwendet werden, müssen sich Blogger an einschlägige Datenschutzgesetze halten und eine Datenschutzerklärung hinterlegen.

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Bei der Nutzung von Blogs in Bildungskontexten müssen von Lehrenden und Lernenden datenschutzrechtliche und urheberrechtliche Aspekte beachtet werden (siehe Kapitel #recht).

In der Praxis: Blogs im Unterricht

Einen Einblick in weitere Einsatzmöglichkeiten von Blogs im Unterricht gibt Lisa Rosa: https://lisarosa.wordpress.com/wp-content/uploads/2009/09/tabelle-typen-weblogs-unterricht-und-schule1.pdf

Microblogs

Die Möglichkeiten des Einsatzes von Microblogs zum Lernen und Lehren sind ebenfalls vielfältig. Microblogs können zum Beispiel den Austausch in informellen Netzwerken und den Aufbau von persönlichen Lernnetzwerken unterstützen. Die Erweiterung des Kommunikationsraumes über die Grenzen von Bildungsinstitutionen hinaus kann neue Lernwege eröffnen, z.B. können Lernende Einblicke in Gedanken, Veröffentlichungen, Projekte von anerkannten Fachexperten kostenlos und zeitnah gewinnen.

Microblogs eignen sich besonders für den Ressourcenaustausch (zumeist Hyperlinks), indem aufgefundene Quellen als Kurznachrichten mitgeteilt werden. Einzelne Profile auf X (ehemals Twitter) können zu Listen, zum Beispiel nach Thema oder Ort, zugeordnet werden. Einzelne Beiträge können, zum Beispiel zu einem bestimmten Suchwort (Hashtag) und mithilfe spezieller Dienste, archiviert werden. Dadurch entsteht ein Micro-Lerntagebuch.

Mit dem Aufkommen von Microblogs wurde besonders an vielen Hochschulen erprobt, wie man diese in der Lehre einsetzen kann, um damit unter anderem einen größeren Austausch der Studierenden über die Themen der Lehrveranstaltung zu fördern (Schön & Wieden-Bischoff , 2011, 72). Schon früh wurde mit Microblogs, die nur Postings mit 140 Zeichen zulassen, experimentiert und die Frage nach der Einsetzbarkeit in Lernsettings diskutiert (Ebner & Schiefner, 2008; Grosseck & Holotescu, 2008).

Der Einsatz von Microblogs in der Lehre wird damit begründet, dass (a) die Interaktivität der Studierenden erhöht wird, (b) ermöglicht wird auch soziale, gemeinschaftliche Aspekte in eine (Massen-) Lehrveranstaltung zu bringen und dass (c) die Infrastruktur sehr geeignet ist, weil es die Geräte der Studierenden und verbreitete Software nutzt (Ebner et al., 2010a).

Bei Lehrveranstaltungen werden Microblogs zur Unterstützung von Diskussionen, Recherche, Informationsdistribution, Gruppenbildung, Feedback und Evaluationen eingesetzt. Dabei werden sowohl Kommunikation, Reflexion, Wissensmanagement und Gruppenarbeitsprozesse unterstützt (Reinhardt et al., 2009).

Micro-/Blogs können synchrone und asynchrone Gruppenarbeit, sowohl an einem bestimmten Ort, als auch bei räumlicher Verteilung der Teilnehmenden, zum Beispiel durch Informationsaustausch, Koordination und soziales Netzwerken, unterstützen (Rankin, 2010). Bei gemeinschaftlicher Gruppenarbeit bietet sich die Projektion der Tweets an eine Leinwand (sogenannte ,‚Twitterwall‘) an (Herwig et al., 2009, 18).

In der Praxis werden verschiedene Typen von Microblogs eingesetzt. Es wird sowohl mit nicht öffentlich zugänglichen, z.B. Yammer, als auch mit öffentlichen Plattformen, z.B. Twitter, gearbeitet. Öffentliche Microblogs haben den Vorteil, dass auch Kontakte mit anderen, z.B. Expertinnen und Experten, geknüpft und auch im Anschluss fortgesetzt werden können. Gleichzeitig werden jedoch Informationen von und über Lernende frei im Netz zugänglich (Medienzoo, 2010; Pleil, 2009).

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Bei der Nutzung von öffentlichen Microblogs ist es wichtig, Lernende über die Chancen und Risiken, die mit einer öffentlichen Kommunikation verbunden sind, aufzuklären (siehe Kapitel #recht).

In der Praxis: Twittern im Deutschunterricht

Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg zeigt, wie Lehrkräfte X (ehemals Twitter) nutzen, um Lernende zur präzisen und kreativen Ausdrucksweise zu motivieren. Durch die Zeichenbegrenzung werden Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, Inhalte sprachlich zu verdichten und das Wesentliche auf den Punkt zu bringen.

Quelle: schule-bw.de – Twittern im Deutschunterricht

Im Folgenden diskutieren wir das Lernen mit Micro-/Blogs als Microlearning, Lernen in persönlichen Lernnetzwerken und die Gestaltung von E-Portfolio.

Micro-/Blogging in der Forschung

In diesem Abschnitt stellen wir ausgewählte Forschungsstudien zu Micro-/Blogging vor.

Blogs in der Forschung

Nach dem allgemeinen Hype in den Jahren 2005/2006 rund um das Thema Blogs hat sich deren Verwendung heute mehr oder weniger gesetzt. Viele Blogs, die vor wenigen Jahren Hochbetrieb hatten, liegen heute brach. Bereits die ARD/ZDF-Onlinestudie aus 2012 zeigt, dass unter den Internetnutzerinnen und -nutzern in Deutschland eine eher passiv-konsumierende als eine aktiv-gestaltende Haltung herrscht: Insgesamt bloggen nur 3 Prozent (Eimeren & Frees, 2012, 365). Es entstehen jedoch immer wieder neue Blogs und es gibt Wissenschaftler/innen im deutschsprachigen Raum, die regelmäßig bloggen. Vor allem scheint der Gedanke vorrangig einen öffentlichen Diskurs über eigene Arbeit zu führen und anderen zugänglich zu machen. Laut Schulmeister (2010) kann die These von Leggewie (2006), dass Blogs eine eher monologische Ausdrucksform sind, auch auf die Blogs der deutschsprachigen E-Learning-Wissenschaftler/innen angewendet werden.

In der Praxis: Beispiele für Blogs aus der E-Learning-Szene

Microblogs in der Forschung

Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 nutzt in Deutschland vor allem die Digitale Avantgarde Microblogs, vor allem Twitter, um informiert zu werden (Busemann & Gscheidle, 2012, 382). Dabei bestehen die persönlichen Netzwerke in Twitter aus einer Mischung aus professionellen Anbietern sowie privaten Kontakten. Auch im Fall von Microblogs dominiert eine eher passive Nutzung: Viele nutzen Twitter lediglich als ,Follower‘ und folgen den wenigen, aktiven Usern (Busemann & Gscheidle, 2012, 382).

Was das Microblogging in Bildungskontexten angeht, zeigen Praxis- und Forschungsberichte, dass der Einsatz von Microblogging kein Selbstläufer ist. Häufig wird die Nutzung forciert, in dem sie zum Bestandteil der Bewertung wird (Ebner et al, 2010b), wobei als Gründe für dieses didaktische Handeln häufig die fehlende Motivation und geringe Vertrautheit der Lernenden mit den Tools genannt werden (Medienzoo, 2010). Die Aktivität der Lehrenden ist maßgeblich für die Nutzung des Tools durch Studierende: Berichte der Praktikerinnen und Praktiker zeigen, dass Diskussionsforen oder auch Micro-/Blogging im hohen Maße davon abhängig sind, ob die Studierenden das Gefühl haben, dass auch Lehrende in Microblogs aktiv sind (Beck, 2007).

Neben der wissenschaflich fundierten Erprobung von Microblogs in verschiedenen Lehr-/Lernsituationen (Ebner, 2013), werden heute zunehmend semantische Technologien eingesetzt, um automatisierte Auswertungen von Twitterstreams oder Lehr-/Lerninhalten durchzuführen. So zeigen Thonhauer et al. (2012), dass sie Lerncommunities basierend auf Ähnlichkeiten zusammenstellen können und schlagen Lernenden andere Microbloggingnutzer/innen vor. Softic et al. (2013) verfolgen einen ähnlichen Weg, visualisieren aber zusätzlich die Nähe zur anderen Nutzerinnen und Nutzern. Laut Ebner et al. (2010b) sowie Schön und Ebner (2013) wird Twitter – im Unterschied zu Blogs – primär als ein Diskussionsmedium und weniger als ein Tool zum Informationsmanagement eingesetzt.

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Übungsaufgaben zu Blogs

  1. Suchen Sie im Internet nach Blogs von Ihnen bekannten Expert/inn/en oder zu den Themen, die Sie besonders interessieren. Schreiben Sie einen Blogbeitrag darüber und senden Sie den Link zu diesem Blogbeitrag via X (ehemals Twitter)!
  2. Erstellen Sie ein Szenario für den Einsatz von Blogs, um das persönliche Lernen von einer oder mehreren Personen, die Sie kennen, zu unterstützen. Welches Microblogging-Tool wäre geeignet? Was wären die inhaltlichen Schwerpunkte?
  3. Fragen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen, ob und wie Sie Blogs bereits zum Lernen und Lehren einsetzten. Sie können auch diese Frage ganz öffentlich via X (ehemals Twitter) stellen und schauen, welche Beispiele Ihnen genannt werden.

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Übungen zu Microblogs

  1. Finden Sie die X-Accounts der Ihnen bekannten Wissenschaftler/innen heraus. Wenn Sie Lust haben, folgen Sie diesen und treten mit Ihnen in Dialog!
  2. Erstellen Sie ein Szenario für den Microblog-Einsatz in einer Lehrveranstaltung. Welchen Dienst würden Sie einsetzen? Wie würden Sie die Lernenden dazu anregen, miteinander und mit anderen zu kommunizieren? Wie würden Sie Ihre Lernenden über die Chancen und Risiken der öffentlichen Kommunikation in Microblogs aufklären?
  3. Probieren Sie dann das Micro-/Blogging in Ihrer Praxis aus! Sammeln Sie Erfahrungen und teilen diese mit anderen. Dadurch tragen Sie dazu bei, dass wir gemeinsam unser Wissen über den Einsatz von diesen neuen Tools erweitern.

Literatur